Fromme (der)


Fromme (der)
1. Alle fromme sind reich, aber nicht alle reich fromb.Henisch, 1253; Petri, II, 5.
2. Auf eines Frommen Acker ist gut Aehren lesen.
3. Bein frommen ist man allenthalb daheym. Franck, I, 59a; Simrock, 2831; Körte, 1621; Sailer, 238; Reinsberg II, 16.
4. Besser ein frommen vnbegabt, denn ein bösen vngestrafft lassen.Henisch, 462, 35; Petri, II, 35; Graf, 300, 132.
5. Besser ist's zu Frommen, als zu Gelehrten kommen.Eiselein, 190.
6. Besser mit den Frommen stehlen, als mit den Gottlosen beten.Winckler, II, 67.
7. Besser mit wenig frommen vnd guten wider viel böse streiten, denn mit viel bösen wider wenig gute.Petri, II, 39; Henisch, 462, 37.
8. Bey den frommen wirdt man fromb, vnd bey den verkehrten verkehrt.Henisch, 1254, 6; Gruter, I, 7.
Mhd.: Man wirt bî guoten liusten guot, bi deme boese, der übel tuot. (Freidank.)
Holl.: Bij de vromen wordt men vroom. (Harrebomée, II, 417.)
9. Bey frommen gewohnt man ehr vnd guts.Henisch, 1253; Petri, II, 43; Eyering, I, 183.
10. Dem Frommen fehlt es nicht an Kampf.
Lat.: Et quocum certet mens pia semper habet. (Philippi, I, 141.) – Nunquam bella piis, nunquam certamina desunt. (Binder II, 2317; Schonheim, N, 40.)
11. Dem frommen ist Gott, dem bösen sein anmut1 ein gesatz.Franck, I, 63a; Henisch, 1254; Petri, II, 74; Körte, 1627.
1) Sein Gelüst, seine Neigung.
12. Dem Frommen ist jede Erde Gottes Acker. Scheidemünze, I, 2835.
13. Dem Frommen ist wohl.Petri, II, 77; Henisch, 1254.
14. Dem frommen legt man ein küssen vnder, dem schalck zwey.Franck, II, 166b; Henisch, 1254; Petri, II, 74; Gruter, I, 12; Eyering, I, 370; Simrock, 2835; Körte, 1625; Sailer, 207; Wurzbach I, 24.
Die einen mögen es thun, um den Schalk durch unverdiente Güte zum Nachdenken zu bringen,
andere, um ihn zu bestechen, sie mit seinen Streichen zu verschonen.
15. Dem Frommen steht alles offen.
16. Den Frommen verschlingt keine Sündflut.
Auch Ungeziefer schadet ihm nicht, denn die Aegypter sagen: Wenn sich der Fromme auf ein Vipernfeld legt, schickt Gott den Ibis, um die Schlangen zu vertilgen.
17. Der Fromb bleibt hinter der Thür, den reichen Schalck zeucht man herfür.Lehmann, 218, 35.
18. Der fromb liebt yederman, der böss nyemandt.Franck, I, 58b; Simrock, 2837; Körte, 1620.
19. Der fromm ist allenthalb daheym.Franck, I, 73a.
20. Der fromm macht nicht kromm.Franck, I, 28a; Gruter, I, 14; Petri, II, 189; Henisch, 1254; Körte, 1619.
Dän.: Fromhed kiendes paa gierningen, men visdom kiendes paa taalen. (Prov. dan., 201.)
Lat.: Homines frugi omnia recte faciunt. (Cicero.) (Binder II, 1320; Faselius, 106;
Philippi, I, 179; Seybold, 221.)
21. Der Fromme fürchtet das Glück, der Böse das Gesetz.Körte, 1623.
22. Der fromme geneust seiner fromkeit.Petri, II, 88; Henisch, 1254, 32.
23. Der Fromme ist Gottes Augapfel.Ps. 16, 8; Schulze, 29.
24. Der Fromme muss viel leiden, sagte Reupel, als ihm der Stockmeister seine Tracht aufzählte.
Holl.: Hoe kunt gij de vromen zoo kwellen, zei gaauwe Joost, en hij kreeg van meester Benedictus eene hagelbui van roëslagen. (Harrebomée, II, 417.)
25. Der Fromme muss vor dem Bösen Haare lassen.
Holl.: De vromen hebben veel te lijden. (Harrebomée, II, 417.)
26. Der Fromme trincket klaren Wein, die Häff muss des Gottlosen seyn.Sutor, 151.
27. Der frommen frewd, der bösen leid nach diesen tagen kan niemand sagen.Petri, I, 14.
28. Der frommen gebet schertzt nicht.Henisch, 1387.
29. Der frommen geselschafft ist aller heiligen gemeinschafft.Franck, I, 124a; Simrock, 2834; Körte, 1624.
Lat.: Qui conversatur cum Sanctis, sanctificatur.
30. Der Frommen Herberg' ist schlecht bestellt, denn der Teufel ist Wirth auf der Welt.
31. Der Frommen Hoffen ist oben.
Dän.: De fromme holde sig til himmelen; derfor have de ei megen lykke paa jorden. (Prov. dan., 202.)
Lat.: Vir bonus est coeli, malus est telluris alumnus. (Binder II, 3556.)
32. Der frommen leid ein kleine zeit, hergegen aber ewig frewd.Petri, I, 14.
33. Der Frommen Thränen sind der Gottlosen Sündflut und Rothes Meer.
34. Der Frumb kommt nicht umb.
Lat.: Bonis bona eveniunt. (Philippi, I, 62.)
35. Dess frommen hoffnung fehlet nicht, denn was sie glauben, dass geschicht.Lehmann, 395, 10.
36. Die Frommen bekommen die Neige.Reinsberg II, 132.
37. Die Frommen in einer Statt könn mann an Fingern zehlen, die bösen mit viel Tausendten.Lehmann, 221, 64.
38. Die Frommen können keine Noth leiden, sagte Schuster Fromm, da verkaufte er die Fische, die er aus dem Weiher gestohlen, als er aus der Betstunde kam, und vertrank das Geld.
Holl.: De vromen kunnen geen gebrek lijden, al zouden de steenen brooden worden, zei Kors Jansz; hij verkocht zijn baars en verzoop het geld. (Harrebomée, II, 417.)
39. Die Frommen siegen im Erliegen.Simrock, 9529; Sailer, 90.
Lat.: Cede repugnanti, cedendo victor abibis. (Ovid.) (Kruse, 108.)
40. Die frommen sind allzeit in gefahr, das Creutz kompt jhn mit hauffen gar.Petri, I, 24.
41. Die Frommen sind dünn gesäet.Kirchhofer, 151.
Dän.: From er som en hvid ravn. (Prov. dan., 200.) – Fromt folk er kun tyndsaaet. (Prov. dan., 202.)
Holl.: De ware vromen zijn dun gezaaid. (Harrebomée, II, 417.)
42. Die Frommen sind eigensinnig. (Wend. Lausitz.)
43. Die Frommen suchen den Tag und die Bösen die Nacht.
44. Ein Frommer gibt zuweilen dem Schalk die Hände, aber nicht das Herz.
45. Ein Frommer wird eher bös', als ein Böser fromm.
Dän.: En from bliver snarere en skalk, end en skalk from. (Prov. dan., 200.)
46. Ein vergoldeter Frommer gilt mehr als ein silberner Heiliger.Altmann V.
47. Eines frommen geniessen vil.Henisch, 1255.
48. Eines Frommen wegen läuft der Teufel nicht aus der Welt.
Die Russen bauen wegen Eines Frommen kein Kloster. (Reinsberg III, 48.)
49. Es ist besser eim frommen gefallen, dann vilen bösen.Franck, I, 158b; Henisch, 1415; Lehmann, II, 128, 148; Simrock, 2836; Körte, 1618.
50. Es ist besser unter die Frommen, als unter die Berühmten (Gelehrten) gezählt zu werden.Zinkgref, I, 252.
51. Es kann wol ein Frommer über die Treppe gehen, wo ein Schalk unten liegt.
52. Es sind nicht lauter Fromme, die in die Kirche gehen.
53. Fromme haben Lust an den Frommen.
54. Fromme müssen täglich Lehrgeld geben.
55. Fromme sind wenig auff der bahn.Henisch, 1255.
56. Fromme thun allzeit recht.Henisch, 1255.
Dän.: From skyer slemme ord og gierninger. (Prov. dan., 200.)
Lat.: Probi bene semper agunt.
57. Frommen gefallen ist ehr vnd tugent.Henisch, 1255.
58. Frommer Hoffen täuschet nicht, wenn es nicht am Glück gebricht.
59. Halt dich zu den frommen, so wirst du ehr überkommen.Henisch, 1257.
Mhd.: Ir habt gehôret manec zît: swer einem vrumben dienen kan, daz der niht verliuset dran. (Zingerle, 24.)
Holl.: Der vromen voetstappen mag men wel navolgen. (Harrebomée, II, 396.)
60. Kein frommer je auff Erden war, er muss von Eseln leiden fahr.Henisch, 1256; Petri, II, 416.
61. Mag man die Frommen drücken, es muss ihnen doch glücken.
Holl.: Als is de vrome in druk, het strekt hem tot geluk. (Harrebomée, II, 417.)
62. Man acht einen frommen nach dem schein. Henisch, 1256.
63. Man muss die Frommen weit vom (oder: nicht im) Kloster suchen.
64. Mit den frommen wirt man fromm.Franck, II, 59a; Schulze, 30.
65. Mit Frommen vnnd Bösen wird erfüllet das Haus.Gruter, III, 69; Lehmann, II, 412, 74; Simrock, 2829.
66. Unter Frommen ist gut wohnen.Körte, 1622; Reinsberg II, 16.
Die Serben sagen: Ich will lieber bei dem Guten dienen, als bei den Bösen frei geboren werden. Die Hebräer: Der Fromme in der Stadt ist ihr Glanz, ihr Preis, ihre Zierde; hat er sich weggewandt, so verschwindet mit ihm Glanz und Ruhm. (Reinsberg II, 16.)
67. Vnter frommen ist die beste freundtschafft. Henisch, 1225; Petri, II, 563.
68. Von eim frommen nimm ein Pfand.Henisch, 1257.
Holl.: Van den vrome en brave wordt men meest bedrogen. – Wacht u voor de vromen. (Harrebomée, II, 418.)
69. Von fromen wird frömigkeit gelernt, durch böse wird das gemüt verkeret.Pauli, Postilla, II, 74a.
Frz.: Du bon l'on n'aprend que tout bien, et du méchant tout ne vaut rien. (Kritzinger, 77.)
70. Was man dem Frommen (Gutes) thut, kommt einem selbst zu gut.
Lat.: Bonis quod bene fit, haud perit. ( Plautus.) (Binder II, 355.)
71. Was man vor den Frommen spart, wird den Bösen zu Theile.Simrock, 9647; Sprichwort, 28, 8; Schulze, 101.
72. Wenn die frommen einen bissen Brot haben, so wolt jhnen der Teuffel denselben gern
nemen.Henisch, 1257.
73. Wenn die Frommen hören fluchen, so laufen sie davon. (Schweiz.)
74. Wenn die Frommen reisen, so regnet's. Kirchhofer, 314.
75. Wenn die Frommen (jüdisch: Chasidim) wandern', get's Rege. (S. ⇨ Mönch.)Tendlau, 965.
76. Wenn Fromm' und Böse unter Einem Dach, da gibt's viel Ungemach.
Frz.: Les bons sont incomparables avec les méchans. (Kritzinger, 394.)
77. Wenn nur die Frommen in Häusern lebten, so würden viele Städte unbewohnt bleiben. Winckler, XIX, 39.
78. Wenn's den frommen wol gehet, ist's den bösen leid.Lehmann, 195, 3.
79. Wer mit Frommen umgeht, der wird mit Frommkeit geferbt.Ps. 17, 26; Lehmann, 862, 41; Schulze, 30.
80. Wer mit frommen vmbgehet, der bessert sein leben wol.Henisch, 1433.
81. Wer sich bey frommen nidersetzet, der mag bey Frommen auffstehen.Lehmann, 859, 8; Lehmann, II, 851, 330; Simrock, 2830; Körte, 1628; Gaal, 544.
Wer selbst gut ist, hält auch andere für gut, auch wenn sie es nicht wären. Er geht mit ihnen um, ohne Anstoss zu nehmen.
82. Wer's mit Frommen hält, wird fromm, sagte der Mönch, und schlief in Einer Nacht bei sechs Nonnen.Klosterspiegel, 28, 20; Hoefer, 766; Eiselein, 190.
83. Wo ein Frommer gelebt, da sind die Wiesen grün und die Felder fett.
Ein hebräisches Sprichwort sagt: Den Frommen braucht man kein Denkmal zu errichten, ihre Thaten sind ihre Denkmale. (Reinsberg II, 16.)
*84. Er ist keiner von den sechsunddreissig Frommen.
Jüd.-deutsch: Er is kaaner von den lamed-wow Zaddikim. (Tendlau, 644.)
Auf die Frage, ob jemand fromm, religiös sei. Nach der Annahme eines Rabbinen kann die Welt nicht bestehen bei weniger als 36 Gerechten. Andere haben andere Zahlen.
[Zusätze und Ergänzungen]
85. Dat geiht alltîd öwer de Frâmen her, sä de Jung, erst öwer min'n Vader un dänn öwer usen stötschen Bullen.Schröder, 623.
86. Den Frommen lohnen ewige Kronen.Feldbausch, 66.
87. Der Fromme muss an Betteltanz, denn Frommkeit hat jetzt keinen Glanz.Gerlach, 275.
88. Die Frommen haben die Darre, die Gottlosen das Malzhaus.Herberger, Ib, 561.
In dem Sinne: Je ärger Schalk, je besser Glück.
89. Ein frommer vergönnt niemand sein Glück. Petri, II, 186.
90. Ein jeglicher frummer ist reich, aber nicht jeglicher frummer ist reif.Wachter.
91. Fromme und Böse schicken sich nicht zusammen, wenn einer grünet, so verdorret der andere.Wirth, II, 108.
92. Viel guttes der Fromme mit reden stifft, eine böse Zung viel Leute vergifft.Kramer, Stammbuch.

Deutsches Sprichwörter-Lexikon . 2015.

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